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| Avant-Garde Dating Broken Glass – Zerschlagenes Glas 1 & 2 mehr |
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Verschiedenste Assoziationen werden im Performance-Kontext suggeriert: das Zerbrechen von Glas unter den Füßen während einer jüdischen Hochzeit, das Zusammenbrechen einer Beziehung, wo Partner einander gegenüberstehend mit Geschirr bewerfen. Die beiden ohne Proben aufgeführten und dokumentierten Aktionen (29.September und 1. Oktober) entwickelten sich zu einer Art Duell: die Partner bereiteten sich für einem Wettkampf vor indem sie langsam ihre bis zum Ärmel reichenden Abendhandschuhe anziehen - die von Carpenter in rot, die von Ury in blau – sowie einen Augenschutz. Die klassische Duell-Aufforderung des 19. Jahrhunderts ein Schlag mit dem „Fehde-Handschuh“ ins Gesicht wird von Ury in Broken Glass 2 (Zerschlagenes Glas 2) aufgegriffen. In beiden dokumentierten Performances bewegen sich die Künstlerinnen in einem ritualisierten Tanz, als ob sie sich für einen Schwertkampf wappneten. In Broken Glass 1 (Zerschlagenes Glas 1), zerbrechen beide Gläser, als sie zusammengeschlagen werden, und der Wein, rot und weiß, vermischt sich in der Luft kurz bevor er mit all die Glas-Splitter zur Boden fällt. Carpenter wie auch Urys Arbeiten erinnern an alchemistische Traditionen: Carpenter verwendet die Farbe rot und eine angedeutete Blutlinie in ihren Performances Red Crest (Rote Kamm), Red Woman (Rote Frau) und Maiden, Mother, Crone (Maid, Mutter, Altes Weib) verwendet; Ury hat Gold in ihren Arbeiten Golden Showers und Blue Danaé 1 & 2 verwendet. Das Mischen von Wein, rot und weiß (gold), während des Zerbrechens der Weingläser spielt auf die Verbindung dieser Elemente an – die Umwandlung von Blut ins Gold; so wird der transformative Aspekt der Partnerschaft zwischen Laurel Jay Carpenter und Tanya Ury demonstriert. Nachdem Ury so zu sagen den Wettkampf in Broken Glass 2 (Zerschlagenes Glas 2), gewinnt - ihr Weinglas bleibt unzerbrochen – trinkt sie unbedacht den Inhalt, bevor sie es zur Boden schmeißt, und riskiert dadurch eine innere Verletzung durch Glassplitter. Umgekehrt entdeckt Carpenter später kleine Schürfwunden auf ihren Brüsten und Armen – für die Duelle trug sie kurze Ärmel und ein kurzärmeliges Kleid mit Dekolleté. *** Als Ury erst ein Performance zum Klirren und Zerschlagen der Weingläser vorschlug, fand dies ein positives Echo bei Carpenter: bereits für ihre Performance Fête (1995) zerschlugen sie und ihre Partnerin Christine Marguerite eine komplettes Porzellan-Service, über eine Periode von 3 Stunden hinweg. http://laureljay.com/portfolio/fete.html Aber Tanya Urys Hauptmotiv bei diesem Konzept war jedoch ein anderes: das von einem dubiösem Toast zum 3. Oktober, dem “Tag der deutschen Einheit”, der an die Deutschen Wiedervereinigung 1990 erinnert, als Berlin wieder zur Hauptstadt wurde. Tatsächlich trug Ury extra ein Dirndl (das in Süddeutschland gekauft wurde, von wo ihr Vater stammte), um Carpenter (aus dem USA) in Deutschland willkommen zu heißen. Ury reiste 1989 für 6 Monate nach Deutschland, um mit einem ERASMUS-Stipendium ein Video am Kölner Institut für Theater, Film und Fernsehwissenschaft zu machen - in einer Stadt, die auch die Heimat vieler ihrer ehemals verfolgten jüdischen Familienmitglieder gewesen war. Später, 1993 zog Ury endgültig nach Köln, um die politischen und sozialen Entwicklungen des wiedervereinigten Deutschlands, zum Guten oder Schlimmeren zu beobachten. *** Die Mauer, die Berlin von dem Rest des getrennten Deutschlands trennte, fiel am 9. November 1989, einem Datum das an die “Kristallnacht” von 1938 erinnert, weshalb das Datum als ungeeignete Wahl für den Einheitstag erschien. Mit der „Reichskristallnacht“ wird in Deutschland an die Novemberpogrome erinnert als haufenweise Kristallglas zerschlagen wurde. Während der Pogrome wurden Schaufenster von Läden jüdischer Besitzer zerstört, landesweit und auch in Österreich die Geschäfte selber wurden geplündert, ihre Eigentümer zusammengeschlagen oder ermordet – eine düstere Vorausschau auf das, was mit Endlösung und Shoah kommen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Westdeutschland in 4 Zonen geteilt, die amerikanische, die britische, die französische und die russische. Entsprechend wurden auch in Berlin 4 Sektoren geschaffen. Obwohl es die Absicht der Besatzungsmächte war, Deutschland innerhalb der Grenzen von 1947 zu regieren, bewirkte das Aufkommen dss Kalten Krieges 1949 die Umwandlung der französischen, britischen und amerikanischen Zonen in die „Bundesrepublik Deutschland“ (und Westberlin) ausgenommen war die sowjetische Zone, die dann im selben Jahr die „Deutsche Demokratische Republik“ (mit Ostberlin) bildete. Ab 1948 entwickelte sich Westdeutschland in ein westlich-kapitalistisches Land mit eine Sozialen Marktwirtschaft und einer demokratisch-parlamentarischen Regierung. Langanhaltendes ökonomisches Wachstum, das in die 50er Jahren anfing, heizte ein 30-Jahre andauerndes Wirtschaftswunder an. Innerhalb der inner-deutschen Grenze etablierte Ostdeutschland ein autoritäres Regierung mit einer sowjet-ähnlichen Planwirtschaft. Während Ostdeutschland reich wurde - zumindest im Vergleich mit dem Standard der Ostblockländer - hielten viele seiner Bürger dennoch im wesentlich wohlhabenderen Westen nach politischen Freiheiten und ökonomischem Wohlstand Ausschau. Die wachsenden Zahlen von ostdeutschen Flüchtlingen über Westberlin in nichtkommunistische Länder führte zur Errichtung der inner-deutschen Grenze (von der die Berliner-Mauer ein Teil war), um einen weiteren Exodus zu verhindern. (Übersetzung Tanya Ury & Amin Farzanefar) http://en.wikipedia.org/wiki/Berlin_Wall Mit der Wiedervereinigung erlebte Deutschland einen starken Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums, obwohl es immer noch eines der reichsten Länder der Welt blieb. Eine Minderheit im ehemaligen Osten drückte ihre Unzufriedenheit mit der zögerlichen Rückkehr des Reichtums in einer Hinwendung zum Extremismus aus. 2004, in der Landeswahl von Sachsen-Anhalts (in Süddeutschland) erhielt die NPD (Nationale Partei Deutschlands), die rechtextreme Ideen repräsentiere, 9.2% der Wählerschaft. Vorwürfe des Neo-Nazismus erwachsen aus der Opposition der NPD gegen die zunehmende Zahl von Nichtweißen Juden und Muslimen die in Deutschland leben. Nazis demonstrieren regelmäßig, sind aber über die Jahre hinweg auch wieder zur einer aktiven Bedrohung in Deutschland geworden. Die Performance Broken Glass (Zerschlagenes Glas), ausgestellt in der Avant-Garde Dating-Ausstellung, feiert die Vereinigung von zwei Entitäten: ein Paar das im Streit kommuniziert und/oder Deutschland in zwei zerteilt und wieder vereinigt - es erinnert an die Katastrophen der Vergangenheit, wo mögliche Gefahren der Zukunft betrachtet werden. Aus Times Online, August 20. 2007 „Neo-Nazi Randale löst Alarm in Berlin aus“, Roger Boyes in Berlin: Einheimische in ein kleinen ostdeutsche Township standen abseits während ein betrunkener Mob von ungefähr 50 Jungendlichen die Neo-Nazi Slogans geschrieen haben, haben, acht verängstigte Indische Touristen hetzten. Die Attacke in Mügeln, in der Nähe von Leipzig, war der neueste in einer Serie von gewalttätigen Angriffen auf Ausländer in Ostdeutschland, die die Regierung in Berlin Grund zum Alarm gibt. Die Einwohner von Mügeln hatten ihr traditionelles Altstadt-Straßenfest in der Samstagnacht gefeiert, als eine Horde von deutschen Jugendlichen einen Kampf mit den indischen Besuchern suchten. Nachdem sie diese geschubst und gestoßen hatten, jagten die Jugendlichen sie aus dem Bierzelt, und verfolgten sie durch enge Straßen bis hinunter ins Stadtzentrum. Die jungen indischen Männer flüchteten in eine Pizzeria, und versuchten die Türen mit Tischen zu verbarrikadieren. Bis zur Ankunft der Polizei – um die 70 Offiziere – hatten die Deutschen sich gewaltsam ihren Weg in die Pizzeria gebahnt. Die acht Inder mussten im Krankenhaus versorgt werden, sind aber inzwischen freigelassen worden. Die Stadtautoritäten verleugnen immer noch die Gründe für den Zusammenstoß, obwohl Zeugen berichten, dass der Mob Slogans geschrieen habe wie „Lang lebe der nationale Widerstand!“ und „Raus aus Deutschland“. „Ich weiß wirklich nicht, ob es einen rechtsextremen Hintergrund für dieses Ereignis gibt,“ sagte gestern der Bürgermeister Gotthard Deuss, „Es gibt keinen bekannten rechtsradikalen Extremisten hier. Dies ist eine Stadt mit knapp 5.000 Einwohnern, und jeder kennt jeden.“ Der regionale Polizeichef Bernd Merbitz, ist etwas weiter gegangen: „wir forschen nach alle möglichen Motiven, inklusive der Möglichkeit, dass dies eine gezielt gegen Ausländer gerichtete Aktion war.“ Samstag war für Neo-Nazis im ganzen Deutschland ein im Kalender rot anzustreichender Tag – es war das zwanzigjährige Jubiläum des Todes von Rudolf Hess, Hitlers Stellvertreter als Führer der Nazipartei. Herr Deuss wurde anscheinend vor den Festivitäten gewarnt, dass rechtsextreme Sympathisanten versuchen könnten die Feierlichkeiten zu zerschlagen...“ Tanya Ury |
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