beachcomber

2003

 

Photographie 60 x 39 cm
montiert mit Diaplex verschweißt

Versicherungswert 200 Euro

 

Das Photo zeigt den Ausschnitt eines Artikels in einer englischen Zeitung vom Sommer 2002 über den Konflikt im Nahen Osten. Es gab kein dazugehöriges Bild; die in bloße Worte gekleidete Botschaft sollte genügen, Bilder des unterdrückten und verzweifelten Volks der Palästinenser, die den gewaltsamen Tod sich selbst und den Israelis in ihrer Umgebung bringen, zu beschwören. Letztere, mit der gleichen Aussichtslosigkeit, rächen sich, indem sie die Häuser der Palästinenser zerstören und die Menschen in ihrem eigenen Land umsiedeln.

Durch einen Druckfehler ist der Sinn des Artikels entstellt worden; durch das fälschliche Ersetzen des Buchstaben „c“ durch den Buchstaben „b“ wurde aus dem englischen Begriff „suicide bomber“, „suicide comber“ (wörtlich übersetzt: Selbstmord Kämmender). Was ehemals ein gewöhnliches Nachrichten-Klischee war, ist zu einer surrealen Botschaft geworden.


Ein „beachcomber“ (Strandgutsammler) ist jemand, der den Strand auf der Suche nach verborgenen Schätzen durchkämmt. Spinnt man die Vorstellung, die der Druckfehler evoziert, weiter, so könnte man sich fragen, ob eine Gruppe von „suicide combers“ in der Kriegszone operiert, und wenn, ob es Palästinenser sind, die ihre zerstörten Häuser nach Überbleibseln früherer Existenzen durchkämmen oder die Straßen nach menschlichen Überresten absuchen. Könnten es Offiziere sein, die Terroristen rekrutieren, oder, im Gegenteil, die vorbeugende Maßnahmen gegen den Terrorismus ergreifen? Die stereotypische Sprache, die normalerweise bei den Medien Verwendung findet, stellt die Tatsachen des Krieges so dar, dass der Leser die beschriebenen Ereignisse nicht mehr in Frage stellt. Ein simpler Rechtschreibfehler bewirkt nun, dass der Sinnzusammenhang völlig entstellt und der Leser gefordert ist, nachzudenken und dem Ereignis einen neuen Sinn zu geben.