pommes

2012-07-18 - 2012-12-19

 

Video-Installation und einige gedrucktes, konkrete Poesie

 

“Pomes Penyeach” war der Titel einer Reihe von dreizehn Gedichten, die James Joyce über zwanzig Jahre hinweg, von 1904-24, geschrieben hat.

Der Titel ist ein Wortspiel mit "poems" (Poesie) und “pommes” (das französische Wort für Äpfel), die hier als „ein Penny für jeden“ in beiden Währungen angeboten werden. Es war seinerzeit Brauch unter irischen Geschäftsleuten, ihren Kunden einen „Tilly” (auf Irish, Tuilleadh (= „mehr“) dazuzugeben, also eine extra Portion – ähnlich entwickelten die englischen Bäcker die Tradition des “Baker's dozen” („Bäckers Duzend“) - dreizehn Brotlaibe wurden für den Preis von zwölf verkauft. (Übersetzung Tanya Ury & Amin Farzanefar) http://en.wikipedia.org/wiki/Pomes_Penyeach

pommes, der Titel meiner Gedichtreihe, die auf Englisch und teilweise auch auf Deutsch verfasst wurde, ist ein weiteres Wortspiel, denn „Pommes“, das deutsche Wort für Fritten ist eine verkürzte Version von „pomme de terre“ – „Erdäpfeln“ - die in die deutsche Sprache aus dem Belgischen aufgenommen wurde – die so genannten „Pommes Frites“ kommen eigentlich aus Belgien.

Tanya Ury

Das Stück pommes ist, ebenso wie half dimensional poems (halbdimensionale Gedichte, 2009-2011), cement (Befestigte Gedichte 2011) und weißer neger (2011) auf Englisch und Deutsch als Gedichtverse geschrieben. In Stil und Absicht ist es auch „konkrete Poesie“, eine Kollektion aus durcheinander geworfenen, abstrakten Gedanken, missverstandener Unterhaltung und falsch gelesenen Texten, die alle zusammen, Alltag und Gemüt der jüdischen Künstlerin reflektieren. Aber im Unterschied zu Tanya Urys anderen Beispielen konkreter Poesie, wird dieses Stück als Performance mit mehreren Darstellern vorgetragen und schließt an die Themen jüdische Identität und Leben in Deutschland heute an.

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Tanya Urys geschriebene Poesie könnte man als „konkret“ bezeichnen: wegen des visuellen Design beim Betrachten und wegen des unkonventionellen Klangs beim Aufsagen derselben – die Texte gewinnen dadurch Dimensionen jenseits der gängigen Wort-Bedeutung.

2011 gestaltete Ury 17 konkrete Gedichte als "Bildgedichte" (sowohl als  Online- wie als Druckfassung (23,5 x 32,45 cm), Bildbearbeitung Mirco Sanftleben. Zwei dieser Poeme - femininity, femininiation - erschienen einzeln, die anderen als Teile der Serien cement, weißer neger, concrete party & oral call, cross word, toned poems, two toned, pommes, taste of space, leeres archiv und seit 2011 hat Tanya Ury zusammen mit Kasander Nilist (Kontrabass, Ton und Schnitt) auch sechs der eher traditionellen Gedichte aus ihrer Poesie-Reihe aufgezeichnet (toned poems: 5.54 Minuten). Die Aufnahme erscheint Online in der Juni-Edition von Imaginations – Journal of Cross-Cultural Image Studies, Universität von Alberta (CA), die sich der Künstlerin Ury widmet.
https://www.csj.ualberta.ca/imaginations/

Auch andere Kunstarbeiten Urys lassen sich als „visuelle Poesie“ verstehen. Moving Message 1992, beinhaltet ein LED-Display mit den Wörtern: you are why; Sonata in Sea 1999-2000 ist eine Photoserie kombiniert mit Poesie und wrestlewithyourangel 2001 ist ein Neonleuchtzeichen, das zusammen mit dem Neonzeichen neonazi 2001 angefertigt wurde; der Titel eines Photo-Doppel-Porträts lesser is me more or less 2003 spielt auf den Namen von Lesser Ury an, den deutschen Post-Impressionisten, sowie auf den Titel eines weiteres Doppel-Porträts or else 2007, der auf die deutsche Autorin Else Ury deutet. Der Titel eines dritten Porträt-Photos Beelzebularin 2005 (in der Serie Promised Land) entschlüsselt sich als Anagram des biblischen „Bezalel Ben Uri“. half dimensional - semi detached 2010 schließlich kombiniert das erste der half dimensional poems mit der Photographie semi detached.