georgy girl (cunt prints)

2016

 

 

cunt prints – Eine Werkserie:

 

Blue Danaé 1 & 2 1998
cunt prints 2013
georgy girl 2016
fanny fans (in Bearbeitung)

 

 

georgy girl: 2 Serien von Gouache-Körperabdrücken auf Papier - 10 Blätter 100 x 100 cm

Serie 1: 15 Abdrücke, Gouachefarben: Kadmiumrotton, Purpur Magenta und Kobaltgrün dunkel auf Aquarellpapier (naturweiß, säurefrei, lichtbeständig) - in Bearbeitung

Serie 2: 15 Abdrücke, Gouachefarben: Delftblau, Kadmiumrot dunkel, Heliogrün bläulich, Preußischblau, auf Aquarellpapier (naturweiß, säurefrei, lichtbeständig) - in Bearbeitung

Versicherungswert (20 x 750,00 €) 15.000 Euro

Serie 3: Sonderedition von 5 mit all die erwähnten Gouachefarben – 24 x 32 cm

Versicherungswert jede 600,00 Euro

 

 

georgy girl ist eine weitere Serie von cunt prints (Mösendrucke) – Körperdrucke - die dieses Mal ein zentriertes Design aufweisen. Der Titel basiert auf Silvio Narizzanos gleichnamigen britischen Film von 1966 (nach einem Buch von Margaret Forster) über eine junge selbständige Frau und ihre emotionale Entwicklung in Richtung Erwachsensein. Er deutet aber auch auf Georgia O’Keeffe (1986) und ihre außerordentlichen Blumengemälde hin, die Judy Chicago 1979 in “The Dinner Party”-Ausstellung würdigte.

In den 1970ern bezeichneten feministische Kritikerinnen und Künstlerinnen ihre Kunst als einzigartig weiblich - wegen ihrer zentrierten Formen, die – mit den Worten von Judy Chicago und Miriam Schapiro - „wie die Labien der Vagina konstruiert sind.“1

Kunsthistorisch gesehen deutet georgy girl auch auf Gustave Courbets Gemälde “L’Origine du monde” (1866) und André Massons Deckplatte “L'Origine du monde ou Terre érotique” (1955), die beide die weiblichen Geschlechtsorgane darstellten.

 

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Sie lehnte die Aufnahme ihrer Kunst in den feministischen Kanon der zentralisierten Kern-Bildsprache der 1970er ab, und stand auf der Seite jener, die den biologischen Essentialismus als unangebrachten Zugang zur Kunst von Frauen ansahen. O’Keeffe verbrachte, kurz gesagt, Jahrzehnte damit die Deutung ihrer Blumen-Bildersprache als sexualisierte Verkörperungen des weiblichen Körpers abzulehnen – sie deutete an, dass diese Interpreten, männlich wie weiblich, lediglich ihre eigenen psychosexuellen Besessenheiten den harmlosen dekorativen Bildern der Künstlerin aufzwangen. O’Keeffes durchgehende Verneinungen resultierten in verschiedenen Meinungen unter Kunsthistorikern, Kritikern - und der Künstlerin selbst, deren Privatbriefe auf mehr Doppeldeutigkeit schließen lassen als ihre öffentlichen Aussagen. Die Kunsthistorikern Anna C. Chave behauptet zum Beispiel, dass O’Keeffe bewusst „eine (weibliche) Sprache des Begehrens“ entwickelte, um einzufangen, was sie dann selbst als „das Unbekannte“ identifizierte. Chave glaubte, dass die Künstlerin eher „abstrakt (...) die Erfahrung ihres eigenen Körpers darstellte“ sowie ihre eigene Begierde - durch Leere, Schluchten, Spalten, Schlitze, Löcher, Leere und weiche, anschwellende Formen - statt direkt den menschlichen Körper wiederzugeben. Chave behauptete weiter, dass O’Keeffes Kunst ihre Kinderlosigkeit verkörperte, ihren leeren Mutterleib, sowie auch ein Gefühl von „Fülle und Befriedigung.“ Wie Wanda Corn erklärte, „ermutigte ihre ausgeprägte Verwendung von entfaltenden Blumenblättern, erotisierten Staubblättern und mysteriösen Zentren die Betrachter (...) sinnliche Körperteile hineinzudeuten, besonders die der weiblichen Anatomie und der männlichen Penetration.“ Tatsächlich mag O’Keeffe solche Assoziationen möglicherweise bewusst evoziert haben. 1916 schrieb sie: „Das Ding scheint auf eine Weise auszudrücken, was ich will (...) es ist wesentlich das Gefühl einer Frau“; später, in 1925, schrieb sie „eine Frau (...) könnte etwas aussagen, dass ein Mann nicht kann – ich denke, dass da etwas Unerforschtes um eine Frau ist, dass nur eine Frau erforschen kann.“ 1930 bekundete sie: „Ich versuche mit all meinen Fähigkeiten zu malen was ganz Frau ist - wie auch ganz ich.“ O’Keeffes Intentionen (auch wenn sie vage ausgedrückt sind) überschneiden sich so mit dem Diskurs der Zwischenkriegszeit über weibliche Gefühle, Standpunkte und Sexualität.2

Ob O’Keeffes Blumengemälde als essentielle Frauen-Repräsentationen beabsichtigt waren oder nicht, sie sind sicherlich feministische Ikonen geworden – mit ihrem Gemälde „Jimson Weed/White Flower No. 1” erlangte die Künstlerin herausragende Anerkennung, als es 2014 für ein Vermögen verkauft wurde.3

 

1955 erwarb Jacques Lacan, der Psychologe, Gustave Courbets Gemälde „L’Origine du Monde” („Der Ursprung der Welt“) von 1866, das den nackten Torso einer Frau mit auseinandergespreizten Schenkeln darstellte. Dieses provokative Ölgemälde war in seiner Wohnung hinter einem zeitgenössischen Bild mit demselben Sujet verborgen - ein Bild von André Masson, das Lacan beauftragt hatte.

“Courbets Gemälde wurde kanonisiert, nachdem es 1995 von den Franzosen aus dem Lacan-Nachlass anstelle von Steuern akzeptiert worden war (...), es wirkte fast offiziell, während Massons Cover als Terre érotique („Erotisches Land“) bekannt, das den gleichen Anblick vom Intimbereich einer Frau bot, aber kalligraphisch mit der Idee vom Körper als Landschaft spielte, weiterhin weiterhin provozierend wirkte. Die Terracotta-farbene Tafel wurde angefertigt, um zurückgeschoben zu werden, so dass Lacans Besucher mit einem Schauspiel der Enthüllung vergnügt wurden. Das hielt die Tradition des ersten Besitzers von „Origines“ - des osmanischen Botschafters Khalil-Bey - am Leben, der den Courbet in einer Toilette, hinter einen grünen Vorhang, hängen ließ. Und kürzlich kam in Fachkreisen die These auf, dass dieser grüne Vorhang (blasphemisch genug) eine Andeutung auf den fiktiven grünen Vorhang in Raphaels Sixtinischer Madonna war. Das Masson-Cover verbleibt in einer Privat-Kollektion, während der Courbet zum Musée d’Orsay gehört.”4

„L’Origine du monde” und Massons Cover “l'Origine du monde ou Terre érotique” (1955) waren objektivierte Bilder einer Frau ohne Identität – namenlose und abgetrennte Verallgemeinerungen von Weiblichkeit, abgebildet von männlichen Künstlern. Während diese Bilder ein kulturelles Tabu brachen (die Darstellung weiblicher Sexualorganen in einem Kunstwerk) und daher innovativ waren, sind die „cunt prints“ eine feministische Untersuchung, die ein bleibendes soziales Tabu entmystifiziert, weil sie von einer Frau produziert wurden - der weibliche Blick spricht sich selbst an.

 

georgy girl sind ornamentale „cunt prints“; die farbigen Tupfen übermitteln die Thematik nicht eindeutig, doch während ein Fingerabdruck die ganze Person verkörpert und repräsentiert, sind diese „Mösendrucke“ Repräsentationen von Weiblichkeit. Im Rahmen der Absicht ist jedoch auch ein kodierter Hinweis auf den Missbrauch an Frauen – das Kunstwerk rührt an die Art und Weise, in der Frauen und ihre Sexualität in manchen Teilen der Welt immer noch betrachtet und kontrolliert werden. georgy girl wurde nach einer Einladung zur Teilnahme in einer Gruppenausstellung produziert, die Spenden für eine Krankenstation zusammentragen möchte: das „Desert Flower Center“ des Berliner Krankenhauses Waldfriede, in dem Opfer weiblicher Genitalverstümmelung behandelt werden.

 

 

1 S. 127-8 „Art and the Crisis of Marriage: Edward Hopper and Georgia O'Keeffe” Vivien Green Fryd
https://books.google.de/books?id=rTR1tRRfQo0C&pg=PA117&lpg=PA117&dq=georgia+o'keeffe+female+anatomy&source=bl&ots=dYJrbBW_qn&sig=CgiAngzi2-
(Übersetzung Tanya Ury & Amin Farzanefar)

 

2 Ebenda 1

 

3 Ein Blumengemälde der verstorbenen US-Künstlerin Georgia O'Keeffe wurde für $44.4mio (ca. 39.4 mio Euro) auf einer Auktion verkauft und stellte so einen Rekord für das Kunstwerk einer Künstlerin auf. Analyse von Will Gompertz, BBC Kunstredakteur 21. November 2014

http://www.bbc.com/news/entertainment-arts-30142581

 

4 James Fenton, private view, The Guardian, Samstag 8 März 2008
https://www.theguardian.com/books/2008/mar/08/art.art
(Übersetzung TU & AF)

<i>georgy girl (cunt prints)</i>, Nr. 5 aus der Serie 3