Jacob’s Ladder

Eine Ausstellung

1996-2003

 

Die politisch-provokativen, auf Geschichtliches und Gegenwärtiges bezogenen bildnerischen Arbeiten und Texte bestehen aus einem Ensemble von Photographien, Videoarbeiten, Neonzeichen, Zeitungsausschnitten und anderem Material, das von der Künstlerin Tanya Ury in Deutschland und Mallorca über einen Zeitraum von sechs Jahren gesammelt wurde. Der Titel ‚Jacob’s Ladder’ bezieht sich auf die Person des Jakob aus dem Alten Testament.

 

Die Finissage Tanya Urys Ausstellung Jacob’s Ladder fand in dem Hochbunker Köln-Ehrenfeld am 09.11.2002 statt, das Jubiläum der Reichkristallnacht. Der Bunker wurde auf dem Ort gebaut, wo früher eine Synagoge stand, die 1938 in der Reichskristallnacht zerstört wurde.

 

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„Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.“ Lutherbibel Mose, Genesis 28 (12)

20 Jahre später hatte Jakob wieder eine Vision, dieses Mal rang er mit einem Engel.

 

„Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Lutherbibel Mose, Genesis 32 (27)

 

Jakobs biblischer Kampf mit dem Engel und der Himmelsleiter liefert die ursprüngliche Inspiration für die verschiedenen Arbeiten, die in der Ausstellung enthalten sind.

Man findet wenige Träume in Büchern. Es ist als hätten sie einen schlechten Ruf. Man findet immer weniger und weniger von ihnen. Träume gab es in allen großen Büchern – in der Bibel, in Heldendichten, in griechischer Literatur, in den Babylonischen Heldendichten, bei Shakespeare – in einer archaischen Art und Weise, dann entfernten sie sich immer weiter. Ich assoziiere diese zunehmende Abgeschiedenheit, dieses Austrocknen, mit der Abnahme von anderen Zeichen. Ebenso finden wir:
  Weniger und weniger Poesie
  Weniger und weniger Engel
  Weniger und weniger Vögel
  Weniger und weniger Frauen
  Weniger und weniger Courage
       Jakob wacht, er steht auf. Was wird aus der Leiter?
       Du musst einen Stein nehmen, ihn unter Deinen Kopf legen, und die Traumleiter wachsen lassen. Sie wächst abwärts – in die Tiefe
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S. 145-146, “Three Steps on the Ladder of Writing” (Drei Stufen auf der Leiter des Schreibens), Hélène Cixous, 1993, Columbia University Press / New York, ISBN 0-231-07659-2
Übersetzung Tanya Ury & Amin Farzanefar