nature or cult (natur oder kult)

2012

 

Eine Photographie, laminiert und mit 3mm Dibond kaschiert, Höhe 151 mm x Breite 250 mm, für 300 dpi Auflösung (Edition 7)

Versicherungswert 1.000 Euro

 

Information
Konzept & Kamera Tanya Ury
Digitale Bearbeitung Ingolf Pink

Die symmetrisch erscheinende Arbeit nature or cult ist ein am See photographiertes Seelandschaft, von mir aufgenommen im Museum Insel Hombroich. Es wurde um die Wörter nature or cult (natur oder kult), in turkis und pink, digital ergänzt worden.

 

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Am Freitag, den 18. Mai 2012, unternahm ich mit einem Freund eine Zug-, Straßenbahn- und Busfahrt, um die Museumsinsel Hombroich zu besuchen, die sich zwischen Neuss und Grevenbroich, nördlich von Köln (ca. 10 Km südwestlich von Düsseldorf) befindet.

 

Nach unserer Reise betraten wir einen Ort, der für mich einem wahrhaftigen Paradiesgarten glich. Wir wanderten den ganzen Nachmittag umher, folgten Pfaden zwischen Feldern und flachen künstlichen Seen, die es der Pflanzen- und Vogelwelt erlaubten, ungestört zu gedeihen; in langen Gräsern wuchsen unzählige mehrfarbige Akeleien und viele andere Wildblumen – fliegende Enten und Teichhühnern umkreisten ihre geschützten Nistplätzen inmitten dieser Marschland-Schönheit.

Unsere Wege haben sich nicht oft mit denen anderer Besucher gekreuzt, als wir dann auf anderen Teilen der „Insel“ unter Kiefern, Mammutbäumen und Schmucktannen sowie erblühenden Glyzinien („Blauregen“), Weißdorn, Fliederbäumen und hohen Rotbuchen-Hecken umherwanderten - um nur einige Beispiele der vielen Pflanzenarten zu nennen, die wir entdeckten, und die in harmonischer Anordnung zum Entzücken des Besuchers angebaut waren.

Mein Freund Kasander schlug vor, dass wir vor einem frühsommerlichen Regen Zuflucht in einem Gebäude nehmen, das sich unter den Bäumen befand. Dies war einer von mehreren Pavillons, die teilweise zurückgezogen in der Landschaft der Insel Hombroich errichtet worden waren. In den meisten dieser Gebäude befanden sich Dauerausstellungen, die für mich unerwartete Freuden enthüllten: sofort erkannte ich eine Serie von winzigkleinen Rembrandt-Radierungen, und es gab Klimt-Zeichnungen, Gemälde von Yves Klein, Lovis Corinth, Matisse, Fontana, Polke und Picabia. Ich sah Kunst von Beuys, Giacometti und Brancusi. Aber es gab auch Objekte aus alten Kulturen: aus China, Kambodscha, Inuit-Kunst und Kunstobjekte aus dem tropischen Regenwald, die aus farbenprächtigen Vogelfedern entstanden sind. In keinem dieser Pavillons haben wir die strenge Kontrolle eines Wachmanns zu spüren bekommen – dem Gast, auf sich allein gestellt, wurde vertraut, die wertvollen Schaustücke zu respektieren und die Begeisterung über die vielen Entdeckungen wurde durch eine solch wohlwollende Atmosphäre noch erhöht.

In der ländlichen Ruhe konnte man plötzlich auf eine Chillida-Skulptur stoßen, Alfresco-Installationen von Gastkünstlern, aber auch reine Zierbauten und alte Buddha-Statuen. Man hatte viele Gedanken und Bemühungen aufgewendet, um diese friedvolle Insel der Natur und Kultur zu schaffen, einen meditativen Fluchtort für den anspruchsvollen Besucher.

Später, während eines weiteren Regensturms, suchten wir Schutz in dem Café, mit Wänden aus großen echteckigen Glasscheiben und Metallträgern; viele andere der ca. 50 Besucher aller Altersgruppen hatten ebenfalls den Weg hierher gefunden. Das Essen war einfach und köstlich – der Preis (wobei man soviel essen durfte, wie man wollte) war in der günstigen Tageskarte inbegriffen.

Nach der Rückkehr habe ich über die Entwicklung der Insel nachgelesen: Karl-Heinrich Müller (1936-2007) hatte zunächst 1984 ein Grundstück erworben. 10 Jahre später wurde dann die “Raketenstation Kapellen” gekauft, eine ehemalige NATO-Raketenbasis – insgesamt waren es 25 Hektar Land. Von verschiedenen Architekten wurden dann Gebäude errichtet, die eine Bibliothek, einen Konzertsaal und Residenzen umfassten, in denen Künstler leben und arbeiten durften. Müller stiftete die Kunstsammlung - und Bernhard Korte war der Landschaftsgestalter.

Diese Geschichte war beeindruckend, aber als ich die Liste von Künstlern in Karl-Heinrich Müllers berühmter Sammlung durchlas, bemerkte ich zu meiner Enttäuschung, dass keine Frauen darunter waren.

Auf der Website des „Museum-Insel-Hombroich“ (www.inselhombroich.de) kann man ein Zitat von Karl-Heinrich Müller lesen:

Hombroich – ein offener Versuch

Die Insel ist urweiblich.
Sie gebärt, hält zusammen, stützt, dient und lässt frei.
Sie ist kein Muss, sondern ein Darf.
Sie ist nicht entweder – oder, sondern sowohl – als auch.
Sie fordert jeden zur täglichen Auseinandersetzung mit sich selbst.
Sie ist kein männliches Feld für Organisation, Hetzjagd, Anhäufung, Macht und Demonstration.
http://www.inselhombroich.de/hombroich-ein-offener-versuch/

Karl-Heinrich Müller hat fraglos ein Insel-Idyll hergestellt, aber unbewusst hat er auch die Diskussion „Kultur versus Natur“ kommentiert – mit der Zusammenstellung seiner großen Kunstsammlung auf der „Museum Insel Hombroich“, von der Künstlerinnen ausgeschlossen sind, hat er eine komplett chauvinistische Philosophie realisiert.

Und am Ende der Seite wird Karl-Heinrich Müller wieder zitiert:

Die Insel duldet und wünscht neue Menschen, Frauen und Männer.
Sie lockt, verführt und nimmt ein, zwingt aber zum Dienen.
Sie huldigt dem Dürfen.
Sie vertraut dem, der ernsthaft ist.
Sie ist ein Weg, auf dem man durch unterschiedliche Versuche in unterschiedlichen Bereichen gemeinsame Erfahrungen und Ergebnissesammelt.
Die Insel hat kaum Platz für Männlichkeit.
http://www.inselhombroich.de/hombroich-ein-offener-versuch/

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