slip stream – Between Poetics and Politics – Improvisation in Cologne – (Wirbelzone – zwischen Poetik und Politik – Improvisation in Köln)

2014

 

2015 (5.) slip stream - between poetics and politics – improvisation in Cologne (Wirbelzone – zwischen Poetik und Politik – Improvisation in Köln), Tanya Urys Artikel auf Englisch in „Performance Matters” („Performance ist wichtig“), ein neues Journal zu Performance-Studien http://performancematters-thejournal.com/index.php/pm, Simon Fraser University, Vancouver (CA)

 

Köln hat eine etablierte Jazzszene, die sich in den letzten dreißig Jahren im Umfeld der Hochschule für Musik und Tanz - der größten Institution ihrer Art in Europa - herausbildete; doch auch infolge der WDR-Konzert-Sessions im Stadtgarten und der WDR-Jazzsendungen allgemein.

Parallel zu dieser Jazz-Szene hat sich eine Improvisationsszene entwickelt, wo Regeln, die für Jazz-Sets gelten, überbord geworfen werden und die Musiker intuitiv miteinander harmonieren und frei zusammen spielen. Diese alternative Szene wirft freie Jazz-Stile mit Funk, Rock und Neuer Musik zusammen.

Meine Betätigung an der freien improvisierten Musikszene in Düsseldorf und Köln begann 2011, als ich von Stefan Nordbeck, einem Musiker während eines Performanceabends im WP8-Kunstverein in Düsseldorf eingeladen wurde, auf der zukünftigen Sessions Poesie zu improvisieren, nachdem er entdeckt hatte, dass ich Gedichte schreibe.

Diese unorthodoxen Gedichte, die sich in den folgenden Jahren weiterhin formten - während einer Krebsbehandlung, als Geist und Körper sich nicht lange oder nicht konsequent genug konzentrieren konnten - waren eine Kompilation jener Wörtern und Gedanken, die routinemäßig durch den Kopf wandern und die meist verworfen oder vergessen werden, ein unbewusster Strom, notiert; oder der Klang von Wörtern - Lautmalerei, neu interpretiert, die Bedeutung dekonstruiert; Wörter, die einmal falsch gelesen, falsch gehört worden waren, Verpeilungen, Wortspiele oder Gedichte, die sich von alleine schreiben und die alle zusammen in Serien gebracht werden, damit - durch Gegenüberstellungen - ein anderer Sinn darin erahnt werden kann. In Stil und Intention ist meine Poesie automatisch – es ist eine Kollektion von durcheinander geworfenen, abstrakten, doch manchmal zwingenden Ideen, die den Alltag reflektieren ebenso wie meine Launen und Beschäftigungen, obwohl ich mit dieser mündlichen Praxis auch versuche mich alltäglichen sozialen Dilemmas aus einer poetischen Perspektive anzunähern.

In dem Artikel beschreibe ich den Prozess des Improvisierens, der dem automatischen Schreiben von Poesie ähnelt.