Fading into the Foreground mehr  
 

Für eine Power Point Präsentation habe ich 16 Bilder aus Fading into the Foreground ausgewählt, die in Köln und Jerusalem aufgenommen wurden: Photographien von jungen Palästinensern, Israelis, deutschen Zivilisten, aber auch Polizisten oder Soldaten aus Deutschland oder Israel, die Militärkleidung tragen, - dies alles als Kommentar zur kontroversen Stationierung der deutschen Marine entlang der Libanesischen Küste (im Herbst 2006) wo sie seither innerhalb der Unifil als Friedenstruppe arbeiten soll. 6 aus diesen (16) werden als A3-Photos in der Ausstellung „Politics“ im Künstlerhaus Dortmund präsentiert 15.2-30.3.2008.

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Im Frühsommer 2006, noch bevor ein Krieg in Libanon ausbrach, entschied ich mich, anlässlich einer Einladung zum c.sides-Festival in Israel, mit der Serie Fading into the Foreground loszulegen; mir war klar, dass wegen des gegenwärtigen - und allgegenwärtigen - Militär-Looks eine Kriegszone nicht wesentlich anders aussehen würde als eine Friedenszone, mit Ausnahme der Verletzten. In der Serie sind auch „echtes“ Militär, Polizei und Milizwagen zu sehen. Es ist deswegen nicht wirklich immer klar, ob die dargestellten Leute oder Fahrzeuge „in Zivil“ sind, zu Polizeieinheiten gehören oder kriegerischen Zwecken dienen.

Global hat sich eine neues Bewusstsein dafür entwickelt, dass Symptome des Krieges willkürlich und überall auftreten könnten - in Form von Angriffen an Bushaltestellen, auf Bahnzüge, in Kaffeehäusern oder auf Flugzeuge: diese allgemeinen Ängste spiegeln sich in der laufenden Entwicklung eines Camouflage-Kleidungs-Codes. Ich begann Mitte Juni 2006 in Köln, wo ich lebe, dieses Phänomen zu photographieren. Am 30. Juni, dem Tag des Weltmeisterschafts-Viertelfinales zwischen Deutschland und Argentinien, schwenkten die Massen deutsche Fahnen, während sie die deutsche Nationalhymne sangen – in einer beispiellosen Weise - und für mich, die aus einer Familie deutsch-jüdischer Holocaustüberlebender stammt, beunruhigend. Die deutsche Presse wurde es nicht müde, in Fernsehinterviews mit Fußballfans zu wiederholen, dass dieses neue Selbstbewusstsein kein Nationalismus sei, sondern Patriotismus: zum ersten Mal seit dem Krieg erlaubten sich die Deutschen ein Gefühl des Stolzes auf der gemeinsamen Basis des Fußballs - eines Leistungsspiel zwar, nicht jedoch eines Krieg; und sie nannten es ein „Sommermärchen“.

Am 14. August 2006 wurde die Waffenruhe in Israel bestätigt, nach 33 Tagen der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Libanon. In dieser Zeit photographierte ich Camouflage, die von Zivilisten auf den Straßen von Budapest und London getragen wurden. Ich photographierte das gleiche in Jerusalem zwischen dem 30.8. und dem 5.9.2006. Diese Photoserie entstand im Gefolge der Recherchen und Kunstarbeiten, die ich zur faschistischen Geschichte des Modehauses Hugo Boss erstellt habe, welches während des Zweiten Weltkrieges Naziuniformen anfertigte. Boss ist einer der größten Weltmodekonzerne geworden, kreiert jetzt jedoch nur reine Modeaccessoires.

Die eigene Firmengeschichte verleugnend, verweigerte die Hugo Boss AG die Publikation der Recherchen Elisabeth Timms (www.metzingen-zwangsarbeit.de), die Boss 1997 selbst in Auftrag gegeben hatten. Gegenwärtig, auch wenn diesmal nicht von Boss entworfen, ist der Militärlook erneut eine alltägliche und unübersehbare Mode geworden.

Etliche Jahre nach dem 11. September, und nach der überaggressiven amerikanischen Reaktion auf diese terroristischen Attacken, ist der Krieg im Irak immer noch in vollem Gange; aber das hat die Welt nicht sicherer gemacht, weit entfernt davon hat dieser ungerechtfertigte Krieg die gerechtfertigte Wut der moslemischen Weltgemeinde entfacht, die weitere willkürlichen terroristischen Attacken islamischer Extremisten mit sich bringen könnte. Wir haben keinen Weltkrieg, aber die Kriege, die täglich auf unseren Bildschirmen ausgetragen werden, ob durch Armeen oder durch individuelle Terroristen, finden ihr Echo in der universellen Straßenkleidung einer städtischen Kriegsmode.

Der Titel Fading into the Foreground („Mit dem Vordergrund verschmelzen“) beschreibt genau das, was Tarnkleidung, die designt worden ist wie Laubblatt anzusehen um mit einem Landschafts-Hintergrund zu verschmelzen, in der Stadt eben nicht macht: Zivilisten, welche Camouflage, oder Khaki tragen, demonstrieren damit höchst auffällig ihre Bereitschaft zur Aktion.

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Israel hieß im Oktober 2006 das deutsche Militär als Nahost-Friedenstruppe die mehrere Jahre dort sein könnte, willkommen. Dennoch ist es in Deutschland ein aktuelles und sensibles Thema, dass sich die 2.400 See- und Landstreitkräfte sowie Polizeieinheiten, die der libanesische Küste entlang stationiert sind im Angriffsfall verteidigen dürfen. Wegen ihrer Geschichte wird befürchtet, dass Deutschland vielleicht nicht neutral bleiben könnte, sollte es zu einem offenen Konflikt kommen. Aber weil die Marine nicht an Land gehen wird, hofft man, dass eine offene Konfrontation mit israelischen Truppen ausbleiben wird. Da Israel keine Flotte in der Region hat, ist Unifil an der Küste Libanons stationiert, um Hisbollah zu verhindern weitere Vorräte von Waffen zu bekommen.

Kanzlerin Merkel äußerte sich 2006 zu den historischen Dimensionen, die der deutsche Militäreinsatz in Libanon hat, ohne direkt den Zweiten Weltkrieg zu erwähnen, bei dem alle deutsche Soldaten in die Vernichtung des jüdischen Volkes involviert waren.

Während der Fußballsaison 2006 sah man in Deutschland diesen Sommer überall deutsche Fahnen, häufig sogar um den Körper von Zivilisten gewickelt welche die deutsche Nationalhymne gesungen haben, und oft in Kombination mit Camouflagekleidung. Ein aktuelles Zeichen eines militanten und wachsenden Nationalismus in Deutschland ist die Tatsache, dass innerhalb der deutschen Grenzen in der Provinz Mecklenburg-Vorpommern, 2006 7,4% der Wählerstimmen an die NPD gingen, was einen Gewinn von 6,5% bedeutet und den Neo-Nazis einen weiteren Sitz im Landtag einbrachte, den sechsten um genauer zu sein. Diese Tatsache ist eine weiterer mahnender Zeigefinger gegenüber jenen „historischen Dimensionen“ welche die Kanzlerin beiläufig erwähnte.

Tanya Ury

‚Ein Dutzend Menschen, am Fuß der Treppe zum Ostbalkon um einen Führer geschart, starrte in die Himmelsdecke, die Goldlaubkonstellationen, ein Wachmann und sein Hund standen daneben, und ihre Mutter konnte nicht anders, sie musste die Uniform des Mannes kommentieren, was Dschungeltarnung in Midtown-Manhattan sollte.
„Die Leute gehen weg, du kommst zurück.“’
“Falling Man” (S. 38-39) von Don DeLillo 2007 Kiepenheuer & Witsch ISBN 978-3-462-03920-7



PRESSE REFERENZEN

"'Wir stehen in der Tradition der SPD, die noch nie in ihrer 135-jährigen Geschichte das Land in einen Krieg geführt hat', gab der Abgeordnete Rüdiger Veit zu Protokoll. Das war im November 2001 - während Gerhard Schröders Kanzlerschaft. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von zwei Stimmen wurden damals deutsche Soldaten unter Uno-Flagge nach Afghanistan geschickt.
Das Spektakel war keineswegs einzigartig: Egal ob Kosovo, Mazedonien oder zuletzt der Kongo - Auslandseinsätze der Bundeswehr waren in den vergangenen Jahren immer hoch umstritten. Eine ganz andere Szene wird sich kommende Woche darbieten, wenn das Parlament über die deutsche Libanon-Mission entscheidet.
Hätte die Kanzlerin gestern nicht die "historische Dimension" des Einsatzes betont, man könnte meinen, bei der Entsendung der 2400 Bundeswehrsoldaten in den Nahen Osten handle es sich um einen Routinevorgang." Carsten Volkery 14.9.2006

13.9.2006: Kabinett beschließt Nahost-Einsatz (Cabinet decides on Middle East deployment)
www.sueddeutsche.de/deutschland

Überwachung der Küste Libanons
Die deutsche Bundesregierung beschloss am 13. September 2006, bis zu 2400 Soldaten für die UNIFIL-II-Mission im Libanon zu entsenden. Der Deutsche Bundestag muss noch über den Einsatz, der zunächst bis zum 31. August 2007 dauern soll, entscheiden.

Die deutsche Marine entsandte zwei Fregatten, zwei Versorgungsschiffe (einen Einsatzgruppenversorger sowie einen Tender) und vier Schnellboote. Die Bundeswehr soll die Führung der maritimen Operation übernehmen, wobei Marinesoldaten aus Dänemark, Norwegen, Schweden und den Niederlanden den Einsatz unterstützen werden. Es wird geplant, libanesische Verbindungsoffiziere an Bord zu nehmen.

Ziel des Einsatzes ist die Aufklärung und Kontrolle der Seewege innerhalb der libanesischen 12 Seemeilen tiefen Hoheitsgewässer (das Überwachungsgebiet kann auf bis zu 50 Seemeilen vor der Küste ausgedehnt werden) und die Umleitung der Schiffe im Verdachtsfall. Weitere Aufgaben sind humanitäre Hilfe, Lufttransport, Ausrüstungshilfe und Ausbildungshilfe für die libanesischen Sicherheitskräfte und die militärische Beratung des Libanon.
Bis zum Eintreffen der Schiffe vor Ort wurde die Aufgabe seit dem 8. September von Marinesoldaten aus Italien, Frankreich und Griechenland übernommen. Die Führung des Verbandes lag bei einem italienischen Admiral auf dem Flugzeugträger Giuseppe Garibaldi." 17.9.2006
de.wikipedia.org/wiki
 
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