Who’s Boss:
Hair Shirt - Härene Gewand Presse mehr
 
 

Wolfgang Alber, Schwäbisches Tagblatt, Samstag, 12. Juni 2004

Was Wissenschaft bisweilen nicht bewegt, kann Kunst zumindest symbolisch erreichen. Vor vier Jahren gab es eine öffentlich Diskussion über die Firma Hugo Boss und deren Umgang mit Zwangsarbeitern in der Nazizeit. Im Auftrag der Metzinger Nobelscheider forschte die Tübinger Kulturwissenschaftlerin Dr. Elisabeth Timm über "Hugo Ferdinand Boss (1885-1948) und die Firma Hugo Boss". Ihre offensichtlich brisant eingestufte Studie wurde von den Boss-Nachfolgern nie veröffentlicht. Inzwischen ist sie mit Henning Kobers Arbeit "Der Umgang mit Zwangsarbeitern in Metzingen" im Internet (www.metzingen-zwangsarbeit.de) publiziert.
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Auf ganz eigene Weise hat Tanya Ury das Thema aufgearbeitet. Unter dem Titel "Dresscodes" zeigt die aus einer deutsch-jüdischen Familie stammende und in jetzt in Köln lebende englische Künstlerin im ehemaligen Supermarkt in Neuhausen/Fildern bis 27. Juni ein Installation: Das aus Plastiktütchen gefertigtes Hemd, Größe 56 ist der Design einen langen Luftwaffen Ledermantel empfunden, aber auch Assoziationen zu Boss-Ledermänteln aus der Winterkollektion 1998/99 weckt; in den Tütchen befinden sich Haare der Künstlerin. Das härene Gewand ("Hair Shirt") lässt sich zum einen als Zeichen der Wiedergutmachung interpretieren, zum anderen soll es darauf verweisen, dass die Nazis weiblichen KZ-Insassen die Haare schoren und damit Matratzen füllten. "Who's Boss" fragt Tanya Ury, um so provokant auf die Beziehungen zwischen Mode und Militär, Mode und Politik hinzuweisen.

 
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