Kölnisch Wasser
 

1993/97
Video/Performance 30 Min, German/English,
3 Kameramänner, 4 Monitoren (Dias mit englischer Übersetzung)

 

Konzept, Text, Performance, Schnitt: Tanya Ury
Tätowierungs- Künstler: Andy Wolf
Kamera (in Tätowierungs- Dokumentation): Gesa Marten
Assistent (in Tätowierungs- Dokumentation): Ralph Plachetka
Voice Over (Mann): Richard Layzell
Voice Over (Frau): Tanya Ury
Dokumentation Feminale Film Festival Köln (D 1994: Claudia Wissmann

Ein Split-Screen Video (33 Min.), 7 der gefilmten Live Performances, geschnitten von Rainer Nelissen, wurde 2003 produziert
Trailer 5 Minuten

Die poetische Texte Kölnisch Wassers erscheinen als Teil Die Gehängten in Patriarchat der Vernunft – Matriarchat des Gefühls? Geschlechterdifferenzen im Denken und Fühlen, Daedalus Verlag Münster ISBN 3-89126-167-5 (D) 2001

Das Drehbuch von Kölnisch Wasser, mit Regieanweisungen für die Kamera, wurde 2007 zusammengestellt

             

Die Tattoo Dokumentation wurde 1993 gefilmt. In der vollständigen Video-Performance, fand die Live Aktion anderswo statt – in einem anderen Raum oder Gebäude – die Video Bilder wurden den Zuschauern per Kabel übertragen. Die Split Screen Version von Kölnisch Wasser, die oft das Original 4-Monitor Format wiederholt, erlaubt es Auszüge von 7 dokumentierten Performances (1993 bis 1997) zu sehen.

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Ein Tattoo ist ein religiöses Tabu; ein tätowierter Mensch darf nicht auf einem jüdischen Friedhof beerdigt werden.

„Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe keine Einschnitte machen noch euch Zeichen einätzen; ich bin der Herr.“ Das dritte Buch Mose, Levitikus, 19,28

Am 6. Februar 1993, in einem kleinen Tattoo Laden in Köln, bekam Tanya Ury die Nummer 4711 auf den rechten Oberschenkel tätowiert. 4711 ist die Nummer des bekannten Kölnisch Wassers. Viele Angehörige aus Urys jüdischer Familie, die Kölner waren, sind von dort aus in Konzentrations- Lager deportiert worden.

Die Video/Performance Kölnisch Wasser ist den Opfern sexueller Ausbeutung, von Gewalt, Rassismus, und Genozid gewidmet. Pornographie ist die kulturelle Kolonialisierung des (Frauen) Körpers. Als westliche Welt Währung, wurde sie am Ende des kalten Krieges schnell in den Osten exportiert. Die Kamera Linse vermittelt Medienbilder aus Auschwitz, Bosnien, und das Erniedrigen der Frau in Pornographie, aber die Trennung von Zeit und Ort führt dazu, dass unser Gefühl von moralischer Verantwortung zurückgehalten wird.

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„Am Tag nachdem ich das Tattoo bekommen hatte, reiste ich von Köln zurück nach England, wo ich lebte. An diesem Abend schaute ich eine Fernseh- Dokumentation, die während meiner Abwesenheit aufgenommen wurde. Es ging um Milena Jesenská, die die erste Übersetzerin (aus dem Deutschen in das Tschechische) von Kafkas Werken war. Ich wollte mehr über sie erfahren, zumal ich nur Kafkas Briefe an Milena kannte, die in der Zeit ihrer zweijährigen Liebes-Affäre ab 1920 entstanden. Max Brod publizierte diese nach Kafkas Tode und gegen dessen Willen, wiewohl er Milenas Briefe verbrannte.

Ich entdeckte, dass Milena später eine leidenschaftliche Sozialistin und Herausgeberin ihrer eigenen Zeitung Nàrodnì Listy wurde. Durch ihre Widerstands Aktivitäten, das Schreiben und Veröffentlichen ausgesprochen antifaschistischer Artikel und der Tatsache, dass sie vielen aus der von Nazis besetzten Tschechoslowakei zu entfliehen half, wurde Jesenská schließlich nach Ravensbrück, in dem Frauen Konzentrationslager deportiert. Dort war ihre Nummer 4714, aber ihre Freundinnen nannten sie 4711, nach dem berühmten Kölnisch Wasser.

Dieses Video ist meiner Großmutter Hedwig Ury gewidmet, meinen zwei Großtanten Ella Unger und Grete Schiemann (beide kamen aus Köln), der Kusine meines Vaters, die als 15-jährige zur Konzentrationslager Prostituierten gemacht wurde, bevor man auch sie ermordete; und Milena Jesenská, die 1944 in Ravensbrück starb.“

Tanya Ury

 
Ungarische Übersetzung Kristóf Szabó
                     
       
             
           
             
Dies Video-Extrakt ist vom Anfang des Videos.