Kölnisch Wasser Publikationen & Presse
 

„...(eine) außerordentliche und sehr andere Arbeit... Tanya Urys Kölnisch Wasser... Videobilder auf einem Flur außerhalb einer Duscheinheit, zeigen die Performerin, die mit einem zunehmend besorgten Tattoo-Künstler über eine Nummer verhandelt, die auf ihrem Bein platziert werden sollte, während ein anderer Monitor die Live-Action der Künstlerin selbst überträgt, die gelangweilt eine pornographische Routine im Duschraum durchführt. Manche Zuschauer empfanden dieses Stück als unausgereift konzipiert und intellektuell fehlerhaft. Für mich selbst waren die Lücken zwischen den gestellte Fragen und ihre lebhafte Darstellungen, fruchtbar und befreiend.“

Robin Arthur (Forced Entertainment), Hybrid Magazine (GB), Juni 1993
(Übersetzung Tanya Ury & Amin Farzanefar)

Im Andenken an ihre nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppten Verwandten lässt sich Ury von einem Kölner Künstler die Zahl 4711 eintätowieren. Dieser Prozess und die sich darum rankenden Gespräch laufen auf einem Monitor, ein Striptease im Loreley- Kostüm auf zwei weiteren, der vierte ist aufs Publikum selbst gerichtet, das sich beim Schauen zuschauen darf. Diese Performance, die Fragen nach dem deutschen Umgang mit Geschichte, nach der Haut der Frauen als Austragungsort dieser Geschichte aufriss, schien in ihrer Komplexität am Publikum vorbeizugehen. Zum Auftakt der Feminale hatte niemand Denkanstöße zum Holocaust erwartet.

Veronika Rall (D) 1994

"Tanya Ury, 1951 in London geboren, lebt seit 1993 in Köln, wo ein Teil der Familie wohnte, bevor sie wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde und fliehen musste. In ihrer Kunst arbeitet Tanya Ury mit ihrer jüdisch-deutschen Identität, den Themen Holocaust, Wiederaneignung dieser geschichtlichen Epoche, Rassismus und die Rolle der Frau in diesen historischen Zusammenhängen verlorener Menschlichkeit.

Tanya Ury lebt in Köln. Sie erinnert sich daran, dass ihre Großmutter und ihre Mutter Kölnisch Wasser benutzt haben. 1993 ließ sie auf ihren Oberschenkel die Zahl 4711 tätowieren. Als sie später erfuhr, dass die Widerstandskämpferin Milena Jesenská im KZ Ravensbrück die Nummer 4714 und deshalb den Spitznamen „4711 - Kölnisch Wasser“ erhalten hatte, wusste sie, dass die Zahl und die Tätowierung für sie stimmen. Tanya Ury ist Jüdin.

Die Videoperformance „Kölnisch Wasser“, die die Künstlerin 1993 zum ersten Mal präsentiert hat, zeigt auf einem Monitor die Dokumentation dieser Tätowierung. Während der Arbeit sprechen Tanya Ury und der Tatookünstler über die Geschichte des Nationalsozialismus, über Deutschland und über die Stadt Köln. Über die zweite Spur des Videos ist die Stimme der Künstlerin zu hören. Sie singt das Lied von der Lorelei und verschiedene Karnevalslieder. Auf zwei weiteren Monitoren sieht man einen Striptease Tanya Urys. Die dunkelhaarige Künstlerin trägt eine blonde Langhaarperücke und ist in Leder gekleidet. Zwischendurch geht sie unter die Dusche. Der Striptease wird von zwei Kameramännern aufgenommen, die sich auch gegenseitig filmen. Ein vierter Monitor gibt das Publikum wieder, das den Striptease und den Vorgang der Tätowierung beobachten."

Autor: Cornelia Gerner, Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2002
www.culturebase.net

1994 Don't Call me Erotic, Artikel von Ury in Feminale FrauenFilm Festival Katalog, Cologne (D)
1996
Kölsche Juden Interview mit Karin Jurschick Stadtrevue Köln (D) Artikel als PDF
2000 Taking on the Mantle in: Auf Brüche - Kulturelle Produktionen von Migrantinnen, Schwarzen und jüdischen Frauen in Deutschland, Ulrike Helmer Verlag ISBN 3-89741-042-7 (D)
2002 Cornelia Gerner Internet Seite über Ury für Heimat Kunst Haus der Kulturen der Welt Berlin www.culturebase.net (D)
2002 Plath, Hitchcock und die Metaphorik der Shoah: zur Vermitteltheit von Geschichte und Identität in der Kunst Tanya Urys, Dr Cathy S. Gelbin in Deutsch-jüdische Literatur der neunziger Jahre: Die Generation nach der Shoah Erich Schmidt Verlag ISBN 3-503-06125-8 (D)
2003 Metaphern des Genozids Die Repräsentation von Geschichte und Identität in der Kunst Tanya Urys von Dr Cathy S. Gelbin in Gesellschafstheorie und Postcoloniale Kritik, Unrast Verlag ISBN 3-89771-425-6 (D)
2003 Metaphors of Genocide: The Staging of Jewish History and Identity in the Art of Tanya Ury. von Dr Cathy S. Gelbin in: Performance and Performativity in German Studies, Hg. by Caroline Duttlinger et al. Oxford: Peter Lang AG. ISBN 3-03910-150-1 (CH) www.peterlang.com
2007 (12) Erwähnung von Ury’s Arbeiten (Kölnisch Wasser und Hotel Chelsea - Köln) in Double Visions: Queer Femininity and Holocaust Film from Statni Etap to Aimée & Jaguar, Dr. Cathy S. Gelbin, Women in German Yearbook 2007. Volume Twenty-three. Feminist Studies in German Literature & Culture. Edited by Helga Kraft and Maggie McCarthy. University of Nebraska Press ISBN 0803216017 ISBN 0803216017 http://muse.jhu.edu (USA)
2008 (11) Über Kölnisch Wasser wird in einem Artikel über Tanya Ury von Hartmut Bomhoff in der monatlich erscheinenden “Jüdischen Zeitung” Berlin diskutiert (D) Artikel als PDF
www.j-zeit.de

 

Kölnisch Wasser Künstler Schriften und Publikationen

2007 Drehbuch zu Kölnisch Wasser, Special Issue: The Performance of Mass Rape: War, Trauma, and Limit Phenomena, Women and Performance, Routledge (GB)

 
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