Theme Park mehr  
 

Prora bei Sassnitz ist Teil des kleinen Urlaubsortes Ostseebad Binz an der Prora Wiek, einer der Buchten der Insel Rügen. Prora und Binz sind durch ein paar Kilometer Sandstrände getrennt. Der eine Ort, fast nicht bewohnt, ist eine historische Geisterstadt, die aber jährlich von 250.000 Geschichtsinteressierten besucht wird, der andere ein hauptsächlich im Sommer überflutetes Touristen-Paradies.

Die vielen sechsstöckigen kasernenähnlichen Gebäude Proras, genannt Koloss von Rügen, wurden zwischen 1936-39 von der NS-Organisation fast fertig gebaut und liegen in ca. 150 Meter Entfernung vom Strand. Dieses in etwa 4,5 Kilometer lange Seebad wurde zur Wohlfahrt von deutschen 20.000 Arbeitern eingerichtet, die „Kraft durch Freude“ schöpfen und ihre Nerven für den kommenden Krieg stärken sollten.

Die Photoserie Theme Park ist aus vielen Bildern entstanden, die ich von Proras grauen Beton- und Ziegel-Bauten gemacht hatte, von gesprengten Ziegelwänden und Ruinen sowie von den älteren und neueren Ferienappartements, Hotels, Gehwegen und mit Menschen bevölkerten Stränden von Binz. Meine Absicht war, die Gegensätze - und auch mögliche Ähnlichkeiten - zwischen Prora und Binz zu fotografieren. Das Ergebnis war eine Präsentation, die den Beobachter auf einen Spaziergang durch verschiedene Landschaften mitnimmt.

Seit 1992 steht Prora unter Denkmalschutz und ist neben dem "Reichsparteitagsgelände" in Nürnberg die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit.

Im Dezember 2003 gab Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Zustimmung zum Verkauf des Museumskomplexes. Bedingung war die Zustimmung des Landkreises Rügen und der Gemeinde Binz. Die diversen Gemeinden entschieden, die Museumsmeile lieber zu behalten und lehnten einen Verkauf an die Inselbogen GmbH ab; sie selber hatten bereits 1999 ein Kaufangebot vorgelegt. Dennoch verkaufte das Bundesvermögensamt im September 2004 Teile der Einrichtungen des NS-Erholungszentrums Prora sowie 70 Hektar Wald und Wiese an die Uniconsulta (Inselbogen GmbH), eine im Fürstentum Liechtenstein ansässige Anstalt für Marktforschung.

"'Sollte der Verkauf genehmigt werden, wird das Zentrum von Prora an einen Menschen fast verschenkt, der sich nicht um die historische Bedeutung des Ortes kümmert,' Rostock meint, Meyer vermarkte Prora als eine Art Disneyland." Dr. Jürgen Rostock, Leiter des Dokumentationszentrums Prora, taz 14.12.2004

Tanya Ury


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