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IN Gedenken
Kunst zu Zwangsarbeit und Holocaust Text: Martin Conrads, Zitty, Berlin 03.03.-16.03.

"Stets gern für Sie beschäftigt...": so lautete der Satz, mit dem man bei der Erfurter Firma J.A. Topf & Söhne Briefe an den Auftraggeber unterzeichnete. Letzterer war die SS-Bauleitung, und das Produkt waren die Krematoriums-öfen, die die Firma unter anderem in Auschwitz, Buchenwald und Dachau installierte.

In der DDr wurde der Nachfolgebetrieb von Topf & Söhne volkseigen. Nachdem dieser 1994 in Konkurs ging, hat sich in Erfurt eine Initiative gebildet, die sich um eine kritische Auseinandersetzung mit der historischen Bedeutung der heutigen Brache bemüht.

Teile des Geländes sind von Linksautonomen besetzt. Die Gedanken der jungen Antifaschisten zu ihrem Engagement vor Ort hat die israelische Künstlerin Yael Katz Ben Shalom festgehalten - in ihrer Foto- und Videoarbeit "Made in Germany", die auch das heutige Aussehen des Geländes dokumentiert und vom historischen Bewusstsein Erfurter Bürgerinnen und Bürger handelt. Nur eine Minderheit der Befragten weiß über die Firma Auskunft zu geben. Manchmal ist auch zu hören: "Muss es da eine Erinnerung extra geben? Ist doch schlimm genug gewesen!"

Ben Shaloms Arbeit ist in der Ausstellung Stets gern für Sie beschäftigt... der ifa-Galerie Berlin zu sehen, in der sechs internationale Künstlerinnen und Künstler Arbeiten zur "Rolle der Industrie beim Holocaust" zeigen. Eröffnet am Tag des Gedenkens an die Opfer des National-sozialismus und dem 40-jährigen Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen gewidmet, kann und soll Stets gern für beschäftigt... auch Bezug zur Friedrich Christian Flick Collection gesehen werden, die Gerhard Schröder im Oktober mit "warmen Worten des Dankes" eröffnete, wie Galerieleiterin und Kuratorin Barbara Barsch im Katalog schreibt. Der Ausstellung gelingt es hervorragend, das Thema zu visualisieren und zu vergegenwärtigen. So wird hier eine neu aufgelegte Version des Entwurfs gezeigt, mit der sich Renata Stih und Frieder Schnock 1994 an dem Wettbewerb um das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" beteiligten. Das Berliner Künstlerpaar schlug eine Bushaltestelle am Ort des Denkmals vor, von der aus europaweite Linienfahrten zu Tatorten des Holocaust führen sollten. Stih und Schnock, die im Oktober mit einer Plakataktion gegen die Eröffnung der Flick Collection protestierten, haben dieses Engagement mit der in Köln lebenden Tanya Ury gemein, die ihre Arbeiten bereits auf der Veranstaltung Heil dich doch selbst! Die ‚Flick-Collection' wird geschlossen vorstellte. Sie thematisiert unter anderem die Rolle der Hugo Boss AG: Deren Aufschwung verdankte sie ab 1933 Zwangsarbeitern, die für Boss NS-Uniformen fertigten.

Mit historischen Farbfotografien aus dem Ghetto in Lodz arbeitet Heidi Stern: In ihren Installationen stellt sie Szenen aus dem Alltag der Bewohner mit plastischen Figuren aus Ton nach. Die derart nachdrücklich Abgebildeten sollen so auferstehen, "jedoch nicht im christichen Sinne, sondern als die Todeskandidaten, die sie waren". Bewusst ohne Gesichter kommen hingegen die Arbeiten von Uriel Orlow aus: Der Künstler zeigt unter anderem einen neunstündigen Film, für den er den Gesamtbestand der Londoner "Wiener Library", des ältersten Archivs zum Holocaust, abfilmte. Und auch wenn man die Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bibliothek auf der Straße nicht hören kann - die Arbeit scheint tags wie nachts durch die Fensterscheibe der Galerie in die Mitte Berlins.

 
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