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"Stets gern für
sie beschäftigt" - Kunst und Zwangsarbeit im Dokumentationszentrum
Prora, Andreas Küstermann, Rügener Zeitung 30.5.2005
Prora. Ifa hat jetzt in Prora eine ganz andere
Bedeutung: Institute for Foreign Cultural Relations, kurz, Institut
für kulturelle Auslandsbeziehungen (ifa). Das zeigt: "Stets
gern für sie beschäftigt". Eine neue Ausstellung des
Dokumentationszentrums Prora mit sechs Künstlern, die zu Zwangsarbeit
und Industriegeschichte arbeiten. Zur Eröffnung der Exposition
am Sonnabend in Prora waren Heidi Stern und Tanya Ury persönlich
mit Kuratorin Barbara Barsch anwesend.
Industriegeschichte der großen Namen in der Zeit von 1933 bis
1945 birgt auch 60 Jahre danach noch Verborgenes wie bei Ernst Heinckel
hier im Land erst jüngst erfahren. Zwangsarbeit für Hugo Boss
in Baden-Württemberg, der SS, SA und HJ-Uniformen nähen ließ,
greift die in Köln lebende Tanya Ury im Bild einer "Näharbeit"
und einer Installation auf. Assoziationen weckt das Hair-Shirt, zusammengenäht
aus kleinen Plastiktüten mit ihren gesammelten, natürlich
ausgefallenen Haaren, an denen kleine Zettelchen mit Datum angebracht
hat sind. Dabei arbeitet Ury vor allem mit Assoziationen, die der Betrachter
ohne Vorwarnung auf sich wirken lassen muss.
Heidi Stern, Tochter von Holocaust-Überlebenden, wurde durch einen
Film des Polen Dariusz Jablonski erstmalig zu einer Arbeit mit dem Thema
Holocaust inspiriert. Jablonski fand Dias einer längst vergangenen
Zeit auf dem polnischen Flohmarkt, mit denen ein SS-Offizier und damals
recht neuen fotografischen Mitteln für die Wehrmacht warb. Danach
entstand Jablonskis Film "Der Fotograf". Stern formt meist
Männergesichter und baute sie hier in Szenen ein, die Zwangsarbeit
und Krieg darstellen.
Ifa-Kuratorin Barbara Barsch hält Prora für einen wichtigen
Ort, um solche Ausstellungen zu zeigen. "Es ist ein autentischer
Ort und vieles, das regional nicht leistbar ist, kann dorthin gebracht
werden." Auf Nachfrage bestätigt Barbara Barsch auch, dass
sie sich gut vorstellen könne, Prora mehr für Ausstellungen
zur Sozialgeschichte des Faschismus zu nutzen.
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