Who’s Boss Eine Serie künstlerischer Arbeiten Presse mehr  
 

Wer ist hier der Boss?

Ausstellung im Kulturmagazin Lothringen hat NS-Vergangenheit von Hugo Boss im Visier

Gerthe. Was hat die Firma Hugo Boss mit Kunst zu tun? Momentan unfreiwilligerweise sehr viel. Denn die in London geboren Künstlerin Tanya Ury, die seit 1993 in Köln lebt, stellt in ihrer Aktuellen Ausstellung diese Verknüpfung her. Der geschichtliche Kontext, der den ausgestellten Werken zugrunde liegt und der zum Verständnis notwendig ist, liegt ihr auch aus persönlichen Motiven am Herzen.
Ury stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie, ihre Eltern flohen vor den Nazis nach London. "Meine künstlerische Arbeit befasst sich vorwiegend mit dem Thema Holocaust", erläutert Ury. Deshalb kam sie vor 13 Jahren nach Deutschland, da ihre Arbeiten hier auf größeres Interesse stießen.

NS-Vergangenheit

Mit der momentanen Ausstellung "Who's Boss" erinnert sie an die NS-belastete Vergangenheit des Metzinger Unternehmens, das die Uniformen der NSDAP schneiderte und 150 Zwangsarbeiter beschäftigte. Auf einer großformatigen Fotografie kombiniert sie eine Boss-Parfum-Werbung, die mit "the darker side of Hugo" wirbt. Über diese "darker side", sprich die NS-Vergangenheit, informiert der Artikel ausführlich.
In digitalen Fotocollagen kombiniert Ury drei Elemente. Neben Boss-Werbung aus vergangenen Winterkollektionen, die Ledermäntel im Stil der deutschen Luftwaffe präsentieren, posiert sie nackt in einem originalen Nazi-Lufwaffenmantel. Als dritte Komponente dienen spanische Postkarten aus der Franco-Ära, die in naiver Weise puppenhafte Mädchen und Soldatenjungs zeigen.
Neben Urys Fotos ist ein Video und ein Kleidungs-Objekt zu sehen. Auch das Boss-Logo verfremdete sie, indem sie dass -ss- durch ss-Runen ersetzt. Ihre genau recherchierte Arbeit soll provozieren und informieren.
Und sie wirft die Frage auf, wie viel NS-Potential unbemerkt nachwirkt, warum ein großes Industrieunternehmen nicht offen mit seiner Vergangenheit umgehen kann, und wie sich "Uniformiertheit" im alltäglichen Leben niederschlägt.
herb Ruhr Nachrichten 3.11.2006

 
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