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Hautnaht - ifa-Galerie:
auf den Spuren des Holocaust, Jens Hinrichsen, Tagesspiegel, Berlin
18.02.2005
Hinter einer Floskel kann sich das Grauen
verbergen. Die Erfurter Firma Topf & Söhne entwickelte die
Verbrennungsöfen für Auschwitz. Geschäftsbriefe an die
SS-Bauleitung des lagers schlossen mit dem Satz"Stets gern für
Sie beschäftigt". Unter diesem abgründigen Titel präsentiert
die ifa-Galerie Arbeiten von sechs Künstlern zum Thema Holocaust
und zur Verstrickung deutscher Industrie (Linienstr. 140, bis 27.3.,
Di-So 14-19 Uhr, Katalog 9€).
Heute verfällt das Gelände von J.A. Topf & Söhne,
dessen Verbrechung Yael Katz Ben Shalom in einer Multimedia-Installation
dokumentiert. Die israelische Künstlerin beleuchtet auch die örtlichen
Auseinandersetzungen um die Frage: Gedenkstätte oder gewerbliche
Nutzung? Und votiert verständlicherweise für Erhaltung statt
Abrissbirne. Doch über eine Anhäufung von Video- und Fotodokumente
kommt Ben Shalom nicht hinaus. Da
schlagen die Collagen und Videos von Tanya Ury (mehr) ästhetische
Funken. Brisanz besitzen sie, weil die Tochter deutsch-jüdischer
Emigranten eine Firma attackiert, die noch heute existiert-und floriert.
Der Modehersteller "Huto Boss" schneiderte einst SS-, SA-und
HJ-Uniformen und verzögert immer noch die Entschädigung ihrer
ehemaligen Zwangsarbeiterinnen. Auf deren Schicksal weist die Künstlerin
mit einer Video-Performance, in der sie sich die "Boss"-Lettern
in die Handfläche näht. Das geht sprichwörtlich unter
die Haut.
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